Meine These: um Gegensatz zu den Plastikgitarren lernt man am Schlagzeug wirklich annähernd die "echten" Abläufe.
Dazu hat es nun ein Experiment gegeben. Hier jedoch zunächst das umgebaute Drumkit im Einsatz:
Bitte auf YouTube in HD ansehen, dann ist der Sound wesentlich besser!
Die Frage war ja aber nun: reichen diese dann doch sicht- und hörbaren Fähigkeiten, auch ein echtes Schlagzeug spielen zu können? Ein Bekannter besitzt nun zufälligerweise ein Tonstudio, mit einem ausgewachsenen Schlagzeug drin. Also: Beamer dort aufgebaut, und mit dem echten Schlagzeug zu den Noten gespielt - das Ganze aufgenommen und wiederum über die Spiel-Tonspur gelegt. Hier das Ergebnis, bitte unbedingt nur in YouTube in der HD Auflösung (Sound!) ansehen:
Da das Ganze nicht gerade selbsterklärend ist, hier ein F.A.Q. zu dieser Aktion:
F: Warum machst Du so was?
A: Weil es mir Spaß macht Dinge zu optimieren und Leute zum Lernen zu verführen. Hierbei: probiert Schlagzeugspielen! Es ist einfacher als Ihr denkt.
F: Was genau sehe ich in dem Video?
A: Dreierleih. Im großen Fenster läuft die Drumspur im Schwierigkeitsgrad "hard" von "Creep (Radiohead)" ab. Sie zeigt alle "Noten" die man im Spiel auf dem Drumkit treffen muss damit der Song ordentlich im Spiel gespielt wird. Ein musikalisches "Malen nach Zahlen" wenn man so will. Im Fenster rechts oben sieht man entsprechend, wie ich die bunten "Noten" auf dem gemoddeten GHWT Drumkit spiele. Der Durchgang ist nebenbei nicht perfekt, ich habe nicht geübt und mache einige Fehler, die Trefferquote lag bei 86% - ordentlich aber nicht berauschend. Im Fenster links sieht man nun, wie ich zu denselben Noten auf dem echten Schlagzeug spiele - man kann schön vergleichen das die Bewegungsabläufe identisch oder zumindest sehr ähnlich sind!
F: Was höre ich?
A: Man hört die Gesang-, Bass- und Gitarrenspur der Rock Band Version von "Creep" ohne die Schlagzeugspur. Dazu gemischt das im Studio abgenommene Schlagzeug das ich spiele.
F: Warum Rock Band? Sagst Du nicht immer das GHWT in der Schlagzeugumsetzung besser ist?
A: Auf jeden Fall, wesentlich besser sogar. Aber: Nur Rock Band hat einen "no fail" Modus der es ermöglicht, die Spur den ganzen Song lang durchlaufen zu lassen ohne auch nur eine Note zu treffen - das braucht eich aber für die Separierung der anderen Audiospuren (s.o.)
F: Warum buhen die Leute am Anfang so?
A: Eben weil keine Note getroffen wird: das echte Schlagzeug ist ja nicht an die Konsole angeschlossen. Dank des "no fail" Modus ist das aber egal.
F: Hast Du schon mal Schlagzeugunterricht genommen?"
A: Nein. Ich habe vor 12 Jahren mal zwei Stunden an einem gesessen, und eben einige Wochen jetzt an meinem Gemoddeten GHWT und Rock Band gespielt. Mehr nicht.
F: Was war anders am echten Schlagzeug?
A: Snare, Toms, HiHat, Ride-Cymbal und Bassdrum waren sehr ähnlich. Da das GHWT HiHat kein Fußbedal zum öffnen hat, fehlt einem hier aber die Übung: entsprechend spiele ich auf dem echten Schlagzeug nur mit geschlossenem HiHat. Ferner ist das Crash-Cymbal (auch "Abschlag-Becken" genannt) auf dem Echten vorne links positioniert - da musste man sich erst mal umgewöhnen. Aber im Großen und Ganzen fühlte man sich schnell zu Hause...
F: Was war das Schwierigste am Spielen? Einige Passagen hören sich ja nicht so doll an...
A: Zweierlei: erstens hat man anders als im Spiel keine quantisierten Sounds. Wenn man also etwas neben dem Takt spielt, korrigiert das niemand. An einigen Stellen kann man das gut hören, etwa am Anfang bis ich "reinkomme". Das könnte man lindern wenn man ein Metronom zur Hilfe nehmen würde, aber das war mir zu viel Aufwand. Zum anderen war es schwierig den Übergang zwischen den verschiedenen Drum-Patterns (Sequenzen) und Fill-Ins (Zwischenstücken) hinzubekommen - hier hört man recht deutlich das ich eben doch blutiger Anfänger bin. Mit etwas Übung ließe sich das aber denke ich in den Griff bekommen.
F: Hm ich mag mich täuschen: aber in Deinem ersten Film schaffst Du es an kener Stelle den Takt sauber für 30 Sekunden zu halten?
A: Das ist leider richtig. Liegt aber nicht na mir, sondern an GHWT: dort hat man im "Freispiel" Modus eine Latenz von ca. 20ms auf den Drums. Nicht viel, aber gerade genug um einen ständig rausfliegen zu lassen. Im eigentlichen Spiel tritt das nicht mehr auf. Ist im Internet bekannt, es gibt aber (derzeit) keine Abhilfe. Die Latenz ist in Rock Band ebenso da, hier kommt aber noch hinzu dass die Pads nicht anschlagdynamisch sind und das zweite Becken ganz fehlt.
F: Hast Du nur den einen Song aufgenommen?
A: Nein, insgesamt vier. Es ist aber recht aufwändig das so zusammen zu montieren, vielleicht veröffentliche ich aber noch mal meine Version von "Reptilia" :-)
F: Das Modding scheint mir recht aufwändig. Muss das wirklich sein?
A: Zumindest für das HiHat: ja, sonst kann man nicht "gekreuzt" spielen wie auf dem Video zu sehen. Das HiHat zu modden ist aber sehr simpel: einfach einen Ständer für 9€ nehmen und das Miniklinken-Kabel umleiten. Das Modding des Ride/Crash-Beckens ist eher überflüssig würde ich sagen.
F: glaubst Du wirklich jetzt Schlagzeug spielen zu können?
A: Jein. Ich denke für einfache Songs wird es mit ein wenig Übung reichen, zumindest wenn es nicht um perfekte Studioaufnahmen geht. Das wird niemand von sich behaupten können der in GHWT/RB die Gitarre spielt: da lernt man nicht ein echtes Instrument zu spielen. Es gibt aber in GHWT/RB auch sehr vertrackte Songs, bei denen bei mir sehr schnell Schicht im Schacht ist. Und da fehlt mir ehrlich gesagt auch die Motivation das stundenlang zu üben.
Derzeit.
1 Kommentare:
Sehr cooles Experiment, schön gemacht. Jetzt will ich nur hoffen, das die F&%$* GH Drums auch bald mal lieferbar sind.
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